22 January 2026

Krippenschauen in Zirl

Gemeinsam mit Krippenfreunden aus Hohenweiler und dem Montafon fuhren wir mit dem Bus nach Zirl im Tirol. Es war ein schöner sonniger, aber kalter Tag. Kaum Verkehr auf den Straßen und so kamen wir schnell voran und erreichten unser Ziel früher als erwartet.

Bevor wir uns auf unsere eigentliche Aufgabe stürzten, kehrten wir noch ein im Restaurant Neurauter in Hatting. In einem gemütlichen, heimeligen Ambiente wurden wir mit einem ausgezeichneten Mittagessen verwöhnt. Frisch gestärkt, fuhren wir dann noch eine kurze Strecke weiter nach Zirl, wo wir im Zentrum vor der Pfarrkirche bereits erwartet wurden.

Nach einer kurzen Begrüßung gingen wir gemeinsam in die Kirche und konnten dort unseren ersten Krippenberg gemeinsam begutachten – gebaut von Franz Seelos d. Ä. (1873 – 1941). Als gebürtiger Zirler baute er viele Krippenberge im Dorf. Sein Sohn Franz Seelos d.J. malte dazu die Hintergründe, die Figuren der Kirchenkrippe wurden vom Zillertaler Bildhauer Otto Moroder geschnitzt. Hier zeigte sich schon eine Besonderheit, die wir bei beinahe allen Krippen sehen konnten – Der Hintergrund und auch der Aufbau des Krippenberges war jeweils auf einer Seite heimatlich und auf der anderen Seite orientalisch gestaltet – so wie man sich in früheren Zeiten den Orient vorstellte. Die Kirchenkrippe in Zirl wird jeweils vor dem 1. Advent aufgestellt. Nach Maria Lichtmesss (2. Feb.) wird der Krippenstall ausgewechselt und der Palast des Pilatus dafür eingesetzt. Dabei wird die Krippe zu einer Fastenkrippe umgestaltet und die Figuren ebenfalls dementsprechend ausgetauscht. Die gesamte Krippe wird dann eine Woche nach Ostern erst abgebaut.


Anschließend wurden wir in mehrere Gruppen – mit 5 – 6 Personen – aufgeteilt und begannen mit jeweils einem Führer unseren Rundgang durch das Dorf, um jeweils 4 – 5 Krippenberge in Privathäusern zu bestaunen. Der Ursprung des Krippenwesens in Zirl kann nicht genau definiert werden, aber es gibt bereits aus dem Jahre 1638 eine Notiz, dass in der Kirche eine Weihnachtskrippe aufgestellt wurde. Jedoch war schon früh auch jedes Haus darauf bedacht, eine Krippe aufzustellen, da der Volksmund berichtete, dass eine Krippe im Haus, deren Bewohner vor der Pest bewahrte. Leider wurden viele dieser „alten“ Krippen durch mehrere Großbrände innerhalb der Gemeinde in den letzten 200 Jahren zerstört.


Jedoch wurden immer wieder unermüdlich neue „Krippenberge“ erstellt. Die Krippenberge nehmen oft einen großen Teil eines Zimmers ein und zeigen auf ihrem Gelände nicht nur die Geburt des Heilands, sondern auch das rege Alltagsleben der Dorfbewohner auf. Dabei hat sich auch so mancher Krippenbauer selbst verewigt oder auch den Besitzer der Krippe. Vor 40 Jahren gab es kein Haus in der großen Gemeinde, in welchem sich nicht eine Krippe befand, in manchem zwei und in einem sogar vier. Die Darstellungen wechselten gewöhnlich dreimal, bei manchen Krippen fünf- bis sechsmal: Am Sonntag vor Weihnachten oder am Heiligen Abend war die Herbergsuche dargestellt, im Stalle saßen bei einem Feuer musizierende Hirten. (Der Dudelsackbläser hatte meist einen Kropf.). Man stellte dabei als Opfergabe ein Tellerchen mit kleinen Krapfen in die Krippe.


Wir wurden in allen Häusern von den stolzen Besitzern der Krippen freundlich willkommen geheißen und überall über die Herkunft und die Besonderheiten „ihres Krippenberges“ informiert. Auch ein Besuch im Heimat- und Krippenmuseum Zirl war eingeplant. Dort konnten wir einige alte Besonderheiten besichtigen. So gastfreundlich wie die Krippenbesitzer, so gastfreundlich waren auch die Mitglieder des Krippenvereins Zirl. Bevor wir nach Hause fuhren, bewirteten sie uns im Pfarrheim mit einer kleinen Stärkung. Ein Beispiel gelebter Krippentradition.

Ein herzliches Dankeschön an alle. Es war ein schöner, informativer Ausflug.