In der Karwoche mal etwas Besonderes machen! An diesen Tagen erleben wir Leiden, tiefe Trauer, aber auch große Freude. Auf jede dunkle Nacht folgt immer ein neuer Morgen.
„Christus ist auferstanden!“
Ein Ostergrab ist ein barocker Kulissenaltar - geschmückt mit viele bunten Glaskugel und Blumen -, der auch heute noch zur Osterzeit in zahlreichen Kirchen zu finden ist. Diese kulturhistorische Besonderheit stammt aus dem 17. Jahrhundert und sollte dem Kirchenvolk das wichtigste Ereignis des christlichen Glaubens anschaulich machen, die Auferstehung Jesu Christi. Viele dieser Gräber verschwanden in der zweiten Hälfte des 20. Jhd. – speziell in den 1970er-Jahren. Sie wurden für „unzeitgemäß“ erklärt und verstaut. Mit Beginn des 21. Jhd. hat ein Umkehrtrend eingesetzt, und man begann diese Kostbarkeiten wieder hervorzuholen und zu restaurieren. Um diese alten Kostbarkeiten zu entdecken, nahmen wir an der Tagesfahrt vom Krippenmuseumsverein Dornbirn teil. Schon früh am Morgen ging die Fahrt los. Nach einem ausgiebigen Frühstück kamen wir gut gestärkt in Patsch an wo wir schon in der Pfarrkirche erwartet wurden.
Das Heilige Grab in der Pfarrkirche Patsch stammt aus den Jahren um 1767 vom Maler Johann Joachim Pfaundler (1723 - 1811). Pfaundler war
Pfarrer und Maler. Er wirkte von 1763 bis zu seinem Tod als Kurator in Schöner.Er schuf die Heiligen Gräber in Schöner, Telfes, Fulpmes und in Patsch. Von ihm erhalten geblieben sind heute nur mehr die in Schönberg, Telfes und Patsch, die zu den schönsten des Landes zählen. Es ist eines der wenigen Heiligen Gräber mit nahezu vollständig erhaltenen Darstellungen seiner Art aus dieser Zeit, nämlich in Form dreier Kulissen, die sich über die ganze Höhe und Breite des Presbyteriums erstrecken. Hier wurde uns vieles über dieses Grab erzählt. Das Patscher Ostergrab ist eines der letzten seiner Art. Mit seinen drei Kulissenebenen mit insgesamt 86 m2 stellt es eine die Kirche beherrschende Ehrenpforte dar. Zur originalen Ausstattung gehören auch 50 Glaskugeln verschiedener Größe, die jedes Jahr neu mit gefärbtem Wasser gefüllt werden und hinterleuchtet sind. Diese Ostergrab besteht aus drei Kulissen, die aus Holzrahmen mit aufgeklebter Leinwand bestehen.
Die erste Kulisse zeigt viele Säulen, sowie Propheten des Alten Testaments, wie Moses oder David. Blumen und bunte Glaskugeln runden dies Kulisse ab.
Die zweite Kulisse zeigt das Grab Jesu. Über dem Garb befinden sich zwei Engel. Zwischen den zwei Engeln wechselt auch die Darstellung je nach Kartag. Am Karsamstag, dem Tag der Grabesruhe und der Anbetung, wird die verschleierte Monstranz in den Strahlenkranz gestellt und in die Höhe gezogen. Zur Auferstehungsfeier wird die Glorie mit einer Seilwinde herabgelassen und verdeckt das Grab. Der Auferstandene wird langsam – unter Läuten aller Glocken, festlichem Orgelspiel, dem Einschalten sämtlicher Lichter – von unten in die Glorie geschoben und hebt sich feierlich in die Höhe. Das leere Grab wird sichtbar. An Karfreitag und Karsamstag halten Patscher Schützen Ehrenwache am Grab.
Die Dritte Kulisse stellt das Paradies mit Adamund Eva dar. Auf dem Baum befinden sich viele bunte Glaskugel, die die Äpfel darstellen – aber nur ein Apfel ist grün.
Weiter ging die Fahrt nach Igls in die Pfarrkirche St Ägidius. Hier erwartet uns Pfarrer Maxemilian Thahler Opraem. Dieses Ostergrab steht von Gründonnersteg bis nach der Auferstehungsmesse. Auf diesem Ostergrab befinden sich sehr viele Engel. Die kleinen Engel schauen verschmitzt drein. Die großen Engel beaufsichtigen die kleinen Engel damit sie keinen Unfug machen, wie es uns erklärt wurde. Die bewachenden Soldaten werden am Karfreitag durch Mitglieder der Schützen ausgewechselt, welche dann das Ostergrab bewachen. Auch hier werden die Darstellungen dem jeweiligen Tag angepasst.
Ein weiterer Höhepunkt war die Basilika St. Michael in Absam. Auch hier erzählte uns der Obmann von Krippenverein vieles über die Basilika und über das Ostergrab. Diese ist nur noch teileweise vorhanden. Die Basilika ist vor allem als Marienwallfahrtsort bekannt. Dies geht auf ein Ereignis am 17. Jänner 1797 zurück. Damals erschien laut zeitgenössischer Überlieferung auf der Fensterscheibe eines Bauernhauses ein nicht mit Händen gemalter Frauenkopf, der als Erscheinung der Gottesmutter Maria gedeutet wurde.
Nach anfänglichem kirchlichem und staatlichem Einspruch und verschiedenen Überprüfungen wurde das Bild am 24. Juni 1797 feierlich mit einer Prozession in die Pfarrkirche übertragen. Dort wird es seitdem als Gnadenbild verehrt. Eine große Nachbildung wurde außen über dem Portal angebracht.
Dann ging es zum Mittagessen nach Thaur. Das Gasthaus befand sich in unmittelbarer Nähe der Pfarrkirche. Auch in dieser Kirche befindet sich ein riesiges Ostergrab, welches den ganzen Chorraum ausfüllt. Man muss sehr genau schauen, um zu sehen, wo ist der Übergang vom Ostergrab zum Kirchenraum.
Dieses Kunstwerk wurde von Josef Romed Kramer vulgo „Mundler“ im Jahre 1836/37auf Holzbretter gemalt. Ein beeindruckender Kunstschatz.
Unser nächster Programmpunkt war die Pfarrkirche in Götzens. In dieser Kirche befindet sich neben dem Grab auch noch eine alte Fastenkrippe. Diese wurden im 18 Jhd. von Georg Haller geschaffen. Sie besteht aus über 250 bemalten Papierfiguren, die die ganze Leidensgeschichte in 35 Stationen darstellen. Auch diese Fastenkrippe wurde uns ausführlich erklärt.
Als letzte Station des heutigen Tages führen wir nach Imst. Hier befindet sich auf dem „Bergl“, dem Imster Kalvarienberg - eine Pestkapelle –
darin eine Darstellung des blutverschwitzten Heilands am Ölberg. Für viele Tiroler ist es ein No-Go, diese Kapelle am Gründonnerstag zu besuchten.
Nach all diesen vielen Erfahrungen hatten wir uns eine kleine Kaffeepause redlich verdient. Der Krippenverein Imst hat gerade neue Räumlichkeiten bezogen und baute in den letzten Tagen die ersten Krippen. Im neuen Museum darunter befindet sich eine Fastenkrippe mit vielen Heidefiguren, welche zahlreichen Stationen darstellen.
Mit vielen schönen Eindrücken fuhren wir wieder nach Hause. Dies war wirklich eine besondere Möglichkeit sich auf das Osterfest einzustimmen. Danke an Anita Abfalterer für die großartige Organisation dieser Ostergräberfahrt.